Wenn jemand „unbedingt“ Hilfe braucht…

… was tun?
Stellt euch die folgende Situation vor:
Ihr geht durch den Wald (in der Nacht oder so) und auf einmal hört ihr jemanden etwas rufen. „Hallo? Ist da jemand? Ich brauche unbedingt ihre Hilfe!“

Im ersten Augenblick scheint dieser Ausruf zwar verständlich. Aber eigentlich ist diese Aussage sehr verwirrend. Analysiert man das Wort unbedingt, so erkennt man es als zusammengesetztes Wort aus un und bedingt. Un ist in der deutschen Sprache ein ausnahmsloses Indiz für die Verneinung eines positiven Wortes.

Mit der Negativierung im Hinterkopf widmen wir uns dem Hauptwort bedingt. Bedingt ist die Konjugation in der dritten singulären Person Verbs bedingen. Das ganze assoziiert vielleicht schon im zweiten Augenblick eine weitere, trügerische Wahrheit. Denn wenn A B bedingt, so ist B von A abhängig. So könnte man meinen, dass die unbedingt Hilfe eine unabhängige Hilfe ist. Womöglich eine Hilfe, bei welcher man später mit der beholfenen Person einen Kaffe trinken gehen muss.

Die Wahrheit liegt aber anderswo begraben. Bedingen kann auch mit begründen als Synonym ersetzt werden. Die Lösung ist also gänzlich einfach: Wer „ich brauche unbedingt Hilfe“ in den Wald ruft, fordert also unbegründet Hilfe an.

Zurück zu unserer Situation: Was macht man, wenn jemand im Wald „ich brauche unbedingt Hilfe“ ruft? Die Lösung ist einfach: Man geht kommentarlos weiter. Warum? Wenn jemand unbegründet Hilfe sucht, warum soll man sie geben, die betroffene Person hat offenbar keine Gründe, warum sie Hilfe braucht.

Nun gut, womöglich will uns dieses unbedingt auch sagen, dass wir jemandem Hilfe leisten sollen, ohne vorher Bedingungen zu stellen. Das wäre ja dann auch speditiv und somit wäre beim Wort unbedingt eine sofortige Hilfe erwünscht. Aber was weiss ich, ich bin ja kein Linguist 🙂

Greez der PF

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4 Responses to Wenn jemand „unbedingt“ Hilfe braucht…

  1. Lene sagt:

    Zu guter Letzt hast du es doch noch eingesehen, dass „bedingt“ in „unbedingt“, wie auch das gesamte Wort „unbedingt“ selbst, kein Verb, sondern ein Adjektiv ist, und somit gemeint ist, dass jemand Hilfe ohne Bedigungen erwartet.
    „Unbedingt“ ist ja auch eine etwas snobistische Art und Weise, „Ja, okay“ zu sagen. Häufig anzutreffen bei den „Gilmore Girls“. Wobei hier ebenso gemeint ist, dass ein Vorschlag „ohne Bedingungen“ angenommen wird.

    Ich hoffe, ich konnte dir mit meinen Erläuterungen etwas weiterhelfen.
    Ich bin auch kein Linguist.

  2. pfoffie sagt:

    *freu*
    Das war unbedingte freude 😛 hihi also muss ich nun auch nicht unbedingt erklären, warum ich *freu* geschrieben hab‘!

  3. Lenestrange van Zock sagt:

    Bitte schön!

  4. Kristin sagt:

    Hallo an Pflog vom Schplock! (Habe Dich über die Tags gefunden.)

    Dass ein Wort mit un- heute nicht immer das negative zu einem positiven Wort ist, liegt daran, dass Sprache sich verändert.

    Zwar handelte es sich ursprünglich i.d.R. um eine Verneinung, wenn ein un- „präfigiert“ wurde, aber dann kam der Sprachwandel.
    Oft ist der positive „Partner“ ungebräuchlich geworden, es gibt also nur noch das Un-Wort.

    Bei „unbedingt“ ist das eigentlich nicht so, „bedingt“ gibt es ja noch (und ja, es kommt vom Adjektiv und somit von der letzten erwähnten Möglichkeit).
    Typische Fälle sind aber:

    – unerfindlich (urspr. Bedeutung von „erfindlich“ war ‚herausfindbar‘)
    – unablässig
    – unbändig
    – unbedarft
    – unbeholfen
    – ungefähr (urspr. Bedeutung: ‚ungefährlich‘)
    – unersättlich

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